| Westdeutsche Zeitung 02.08.2005 |
| Geschrieben von Thomas Krause | |
| Mittwoch, 10. Dezember 2008 | |
|
DÜSSELDORF
Wenn Gambas zur Grenzerfahrung werden Na Mahlzeit: Bloody Beginners heißt ein Kochkurs für blutige Anfänger. Trotz des Doppelsinns hat sich dabei niemand ernsthaft verletzt. Oder vielleicht doch? Düsseldorf. Lektion eins: In der Küche wird auf Etikette gepfiffen. "Ich bin Claudia", sagt Claudia, während neun Kocheleven abwechselnd auf den Küchenvorstand des Abends und in ihre Prosecco-Gläser schauen. Lektion zwei mit einem Gläschen intus kocht und plaudert sich entspannter. Wobei das die beiden einfacheren Übungen des Abends sind. Bloody Beginners, blutige Anfänger, nennt sich etwas doppeldeutig der Kochkurs in Frank Petzchens Kochschule am Carlsplatz. Gekocht wird im umgebauten Gewölbekeller unter Petzchens Kochbuchladen. Jürgen kommt aus Benrath und etwas zu spät. Claudia gibt die Richtung vor, die Zutaten das Menü. Ein bisschen was Mediterranes wird' s geben, und, ach ja, die australische Crossover-Küche hat' s Claudia angetan. Neun Augenpaare schwanken zwischen Neugier und Ratlosigkeit. "Müssen wir mitschreiben", will Rudolf wissen. Je zwei Suppen, Salate und Spagettivariationen sollen die blutigen Anfänger an diesem Abend auf die Beine stellen. Worüber jede Hausfrau mit den Achseln zuckt, stellt manchen der Kochschüler vor eine echte Aufgabe. Sebastian, 19, frisch gebackener Abiturient und Benjamin des Abends, hat sich bisher auf Muttis Kochkünste verlassen. Nun sieht er sich unversehens einem scharfen Messer und einer grünen Paprikaschote gegenüber. Mit dem Ersten die Zweite in möglichst kleine Würfel verwandeln, lautet sein Auftrag. Ines, Getränkelieferantin und Mädchen für alles des Abends, findet, dass sich Sebastian tapfer schlägt. In einem Mixer rotieren derweil Tomaten, Knoblauch und Brühe. Die blutigen Anfänger versuchen sich an Gazpacho, einer kalten Tomatensuppe aus Andalusien. Sicherheitshalber hat Ines den Kochschülern zu Beginn eine Sicherheitseinweisung verpasst: "Falls es brennt, könnt ihr entweder durch die Fluchttür oder oben durch den Laden raus". Außerdem habe sie eine Sanitätsausbildung, sagt sie. Suppe Nummer zwei, Erbsen mit Minze, gefällt den Kochnovizen allein schon durch die Zusammenstellung. Zumal die Gazpacho gut angekommen ist. Zwischen den Gerichten wird gemeinsam am großen Tisch gegessen. "Es geht in erster Linie nicht darum, kochen zu lernen", sagt Claudia. "Das gemeinsame Erlebnis zählt. Neue Leute kennen lernen, Neues entdecken." Deswegen sind Stefanie, 32, und Mathias, 33, gekommen. Beide sind neu in Düsseldorf, kennen sich vom Job und hoffen, auf kochende Weise Stadt und Leute kennen zu lernen. Die kennt Werbe-Mann Rudolf schon, eigentlich wollte er seine Frau mit den Kochkenntnissen überraschen. Tücke: "Was hätte ich ihr sagen sollen, wo ich den Abend verbracht habe?" So wird der gemeinsame Sohn beim nächsten Besuch mit Vaters neuen Kochkünsten konfrontiert. Sebastian, der bei der Paprika einen guten Eindruck hinterlassen hat, muss Latuga für den Ceasar' s Salad putzen. Vorher gab' s Salat mit Pfirsichen, Mozzarella und Parmaschinken. Ein Rezept des englischen Küchenzauberers Jamie Oliver. Claudia warnt vor Billigmozzarella. Wenn schon, dann echten aus Büffelmilch. Der für 99 Cent aus dem Supermarkt sei von der Kuh, nicht so toll und die Milch käme aus Ostdeutschland. Drei Anfänger schauen auf Jürgen, der stark sächselt. Manch` Kochschüler muss überraschend an seine Grenzen gehen. "Ich kann die nicht anfassen", mault Marion, als es darum geht, Gambas von ihrem Panzer zu befreien. "Essen ja, aber nicht anfassen". Claudia erzählt, dass sie im Alaska-Urlaub mal Fische ausgenommen und geköpft habe. "Grenzerfahrung, würde ich sagen", meint Marion. Vor der steht auch Rudolf, der gern noch einen zusätzlichen Arm hätte. Es geht um Majonäse. Den Mixer in der Linken, einen Messbecher mit zwei Eigelben rechts. "Jetzt langsam das Olivenöl rein laufen lassen", sagt Claudia. "Wie denn?", fragt Rudolf. Claudia hilft Rudolf, Ines spült, die Spülmaschine hilft Ines. Zum Service des Kochseminars gehört, dass sich mit niederen Küchenarbeiten niemand aufhalten muss. "Die Leute sollen Spaß haben", sagt Claudia. Was meist gelingt. Nach der Kocherei bleiben die Kocheleven gern noch auf ein Glas sitzen. Dann werden aus vier Stunden sechs und aus einem Schlückchen zwei. Gelernt haben alle was, kochen oder Land und Leute. Oder dass Minze und Erbsen zusammen passen. Verletzt hat sich von den Anfängern übrigens niemand. Kochen macht Spaß, besonders, wenn man`s kann. Mehr als ein Händchen voll Kochschulen gibt es mittlerweile. Eine Übersicht über gute Angebote:
Kochschule Düsseldorf
Canonicus
Kochschule Frank Petzchen
Ernährungsatelier Scriba
Cucinaria
Nooij
Werkstatt für Kochkultur
Kochshop, die Kochschule
Kochschule Vössing 02.08.05 Von Olaf Steinacker |
|
| Letzte Aktualisierung ( Freitag, 12. Dezember 2008 ) |